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Manfred Fleck
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Presse

Ein Richtfest für zwei Bauprojekte

Kinderkliniken - Neues Gebäude für kleine Patienten - Quartierzentrum Martinsviertel mit Ärztehaus, Schule, Supermarkt

Warum hängen da zwei Richtkränze dicht nebeneinander, wunderte sich am Freitag so mancher Autofahrer, der die Dieburger Straße befuhr. Diese Verdoppelung machte durchaus Sinn. Denn das Richtfest für den vorderen Neubau der Kinderkliniken Prinzessin Margaret fiel mit einem zweiten Richtfest für das gegenüber liegende Quartierzentrum Martinsviertel zusammen. Dabei störte nur die Dieburger Straße, die das eine von dem anderen trennt.

In der gut vorgewärmten Tiefgarage des Kinderkliniken-Neubaus, die Platz für dreißig Fahrzeuge bietet, feierten rund 150 Gäste das Doppel-Richtfest. Richard Röhrig, Kaufmännischer Geschäftsführer des Alice-Hospitals, erklärte, wie die beiden Bauprojekte zusammenhängen: ,,Das Grundstück drüben gehört uns.” Eigentlich wollte das Alice-Hospital darauf ja nur ein Parkhaus bauen - doch das Ergebnis ist eine Tiefgarage mit einem Ärztehaus, einem Bildungszentrum für Gesundheit, einer Tiefgarage und einem 2000 Quadratmeter großen Supermarkt (Rewe).

Am 7. September vorigen Jahres war mit dem Bau des zweiten Bauabschnitts der Kinderkliniken begonnen worden. Von den Baukosten in Höhe von 13 Millionen Euro übernimmt das Land Hessen 9,75 Millionen. Dass vom ersten Spatenstich im Dezember 2007 bis zum Richtfest so viel Zeit verflossen ist, begründet Röhrig mit der Suche nach einem Generalunternehmer und dem Warten auf das Abklingen einer Hochpreisphase bei Stahl und Beton.

In den sechsgeschossigen Neubau der Kinderkliniken einziehen werden die Aufnahme und Überwachungsstation, das Sozialpädiatrische Zentrum, die Intensivstation für größere Kinder, die Tagesklinik, der kinderärztliche Notdienst und die Psychosomatische Abteilung.

Der Grundstein für das Quartierzentrum zwischen Dieburger Straße 22 bis 30 und Gutenbergstraße war am 10. Juli vergangenen Jahres gelegt worden. Drei Etagen des neuen fünfstöckigen Ärztehauses beansprucht die größte Krankenpflegeschule Hessens mit bis zu 300 Auszubildenden für sich - zur Zeit sind es, noch auf unterschiedliche Standorte verteilt, 220. Die Schule ist ein Gemeinschaftsprojekt von Alice-Hospital, Kinderkliniken Prinzessin Margaret, Kreiskrankenhaus Groß-Gerau und Klinikum Darmstadt. Angeboten werden dort die Ausbildungsgänge Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Krankenpflegehilfeausbildung. Eventuell soll noch eine Hebammenschule dazukommen.

Die restlichen Stockwerke und das vierstöckige Ärztehaus nebenan werden vermietet an einen Gynäkologen, Radiologen, Plastischen Chirurgen, Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Allgemeinmediziner und eine physiotherapeutische Praxis. Dies bezeichnet Röhrig als wertvolle Ergänzung und Erweiterung des Alice-Hospital-Angebots.

In die Läden im Erdgeschoss ziehen eine Apotheke, ein Sanitätsfachhandel und eine Bäckerei ein. Die Tiefgarage, die gestern von den Richtfest-Gästen mitbenutzt werden durfte, hat etwa 200 Stellplätze. Zum Quartier-Komplex gehört in Richtung Gutenbergstraße ein Sechsfamilienhaus mit 800 Quadratmeter Fläche, das an Krankenhausmitarbeiter vermietet wird. Die Kosten des Quartierzentrums sind mit 15 Millionen Euro veranschlagt. Damit künftige Patienten Arztpraxen und Hospital besser erreichen können, soll die 200 Meter entfernte Bushaltestelle in die Nähe verlegt werden.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann lobte den guten Ruf der Kinderkliniken, der weit über Darmstadt hinausreiche. Der Neubau sei ein Stück Belohnung für diese hervorragende Arbeit, das Geld dafür gut und sinnvoll angelegt. Mit dem Quartierzentrum werde das Ziel verfolgt, das lebendige Martinsviertel im Bestand weiter zu entwickeln, wie es vor einem dreiviertel Jahr in einem Zentrenkonzept festgelegt worden war - als Gegenentwurf zu den früher üblichen Planungen auf der grünen Wiese.

Bernhard Lettgen, Chefarzt der Kinderkliniken, liegt besonders ein ,,inneres Richtfest” am Herzen. Der Neubau symbolisiere den inneren Wandel der Kinderkliniken nach außen. 1997 waren die beiden Kinderkrankenhäuser Eleonoren-Kinderkrankenhaus und Kinderklinik des Klinikums zu einer Betriebs GmbH zusammengelegt worden. Im Sommer 2006 konnte der erste Bauabschnitt bezogen werden - ein architektonisch herausragendes Gebäude in Blütenform. Daran schließt sich nun der zweite, optisch weitaus weniger auffällige Bauabschnitt an.

Die Fläche habe sich, verglichen mit den Anfangsjahren, verdreifacht, ebenso die Zahl der Patienten, sagte Lettgen. Statt allgemeiner Pädiatrie könne man nun eine hochspezialisierte medizinische Versorgung mit modernen Behandlungsstrukturen für Kinder und Jugendliche bieten. Das habe sich auch überregional herumgesprochen.

Zu dem Wandel gehöre auch, dass es inzwischen mehr als 10 000 Elternübernachtungen gebe und Krankenkassen bei Kindern bis sechs Jahren - manche Kassen auch bis neun Jahren - die Kosten für eine Begleitperson übernehmen. Der Patient, das Kind, stehe im Mittelpunkt, die Mitarbeiter betrachteten sich als Dienstleister gegenüber den Eltern und untereinander. Die Identifikation mit der Arbeit und dem Arbeitsplatz sei hoch, zumal die ohnedies hoch motivierten Mitarbeiter so weit möglich nach Neigung und Eignung eingesetzt würden, erklärte Lettgen.

Ulrich Scheinert von der Investorengruppe Biskupek-Scheinert, die das Quartierzentrum ausbaut, ging auf Probleme beim Bau des Supermarktes ein, der auf sanften Druck der Stadt an dieser Stelle entsteht und den vorherigen Supermarkt ersetzen soll. Wegen der Bebauungssituation gebe es keine ebenerdigen Stellplätze und auch keine Warenanlieferung auf gleicher Ebene.

Vor 25 Jahren habe er zusammen mit seinem Partner sein erstes Ärztehaus in einer Kleinstadt gebaut, erzählte Scheinert. Durch Zufall sei er in die Branche geraten, ein richtiger Glücksfall. Denn inzwischen würden immer mehr Arztpraxen an Krankenhäuser angedockt. Das Ärztehaus im Quartierzentrum ist schon sein fünftes Projekt.

Die Richtfest-Gäste nutzten die Gelegenheit, die beiden Rohbauten in kleinen geführten Gruppen zu besichtigen. Wenn die Bauarbeiten weiterlaufen wie geplant, werden sie sich im September im Quartierzentrum und Ende des Jahres im Neubau der Kinderkliniken bei den Einweihungsfeiern wiedersehen.

Darmstädter Echo vom 13. Februar 2010