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Manfred Fleck
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Presse

„Anna” zieht in neue Räume

PräventionJüngstes Angebot: Kindertherapeutin Birgit Jost spricht vor Schulklassen über Depression und Suizid

In zehn Tagen beginnt ein neues, erfreuliches Kapitel für das Projekt „Anna”: Dann verkürzen sich die Wege für Patienten und Therapeuten, und Absprachen können schneller getroffen werden. Denn die bisher auf verschiedene Standorte verteilten Psychologen und Therapeuten ziehen in eine Etage des zweiten Bauabschnitts der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret um. Der Neubau wurde gestern offiziell eingeweiht (dazu ein weiterer Bericht im Lokalteil auf Seite 13).

Endlich alle unter einem Dach: Im Neubau der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret ist ab 1. Februar auch das „Anna“-Team zu finden. Es war – wie die Kunsttherapie – aus Platzmangel in Nachbargebäuden untergebracht. Die erste Etage des Neubaus (Zweiter Bauabschnitt der Kinderkliniken) ist für die Psychosomatische Abteilung vorgesehen. Alle Therapeuten bekommen dort eigene Zimmer. Auf unserem Bild (von links) die Psychotherapeutin Mercedes Pavlicek, der Chefarzt der Kinderkliniken, Bernhard Lettgen, der ein neues Büro erhält, und Oberarzt Norbert Kohl vor dem neuen „Anna“-Zimmer, das die Psychologin Barbara Gansera – zur Zeit noch im Urlaub – beziehen wird. Foto: Claus VölkerEndlich alle unter einem Dach: Im Neubau der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret ist ab 1. Februar auch das „Anna“-Team zu finden. Es war – wie die Kunsttherapie – aus Platzmangel in Nachbargebäuden untergebracht. Die erste Etage des Neubaus (Zweiter Bauabschnitt der Kinderkliniken) ist für die Psychosomatische Abteilung vorgesehen. Alle Therapeuten bekommen dort eigene Zimmer. Auf unserem Bild (von links) die Psychotherapeutin Mercedes Pavlicek, der Chefarzt der Kinderkliniken, Bernhard Lettgen, der ein neues Büro erhält, und Oberarzt Norbert Kohl vor dem neuen „Anna“-Zimmer, das die Psychologin Barbara Gansera – zur Zeit noch im Urlaub – beziehen wird. Foto: Claus Völker
Die „Anna”-Telefonhotline für junge Leute in kritischen Lebensphasen (Tel. 08006688100) ist nach wie vor 24 Stunden lang erreichbar. Außerhalb der beiden Sprechstunden nimmt die Darmstädter Telefonseelsorge die Anrufe entgegen, deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von den Ärzten der Kinderkliniken geschult werden.

In das erste Obergeschoss des Neubaus an der Dieburger Straße ziehen am 1. Februar die zehn Therapeuten der Psychosomatischen Abteilung ein. Das „Anna”-Telefon befindet sich im Raum der Psychologin Barbara Gansera. Auch die tagesklinischen Plätze sind in dieser Etage zu finden, ferner ein Gymnastikraum mit gelenkschonendem Schwingboden und die Räume für die Kunsttherapie. Der Musiktherapeut bekommt einen Raum im Keller: Dort können die jungen Patienten ungehemmt Krach machen und Aggressionen abbauen.

Noch in diesem Jahr wird die Kindertherapeutin Birgit Jost vor Schulklassen Vorträge über Depression und Suizid halten, um Lehrer und Mitschüler für die ersten Anzeichen zu sensibilisieren. „Wir wollen schon in die Frühphase einsteigen, damit es nicht erst zur Chronifizierung kommt. Denn dann wird die Behandlung schwieriger und dauert länger”, erklärt dazu Chefarzt Bernhard Lettgen. Eine Auffangmöglichkeit müsse künftig auch für Achtzehn- bis Dreiundzwanzigjährige in Krisensituationen gefunden werden. Sie fallen durch alle Raster, weil sie keine Jugendlichen mehr sind, aber - je nach Entwicklungsstand - auch nicht wie Erwachsene behandelt werden können.

Die Spendengelder von „ECHO hilft” sollen nach den Worten von Oberarzt Norbert Kohl, der Kinderarzt, Kinder- und Jugendpsychiater und Psychotherapeut ist, für drei Präventionsbereiche verwendet werden. Der erste ist die vorsorgliche Aufklärung in den Schulen, für die nun Birgit Jost zuständig ist, der zweite ein Gesprächsangebot für Kinder von psychisch kranken Eltern - dafür hofft Kohl einen Zuschuss vom Land Hessen zu bekommen - das Hauptfeld aber bleibt die schnelle Betreuung von Jugendlichen und ihren Familien in akuten Krisen. Manche Patienten werden später an niedergelassene Psychologen weitervermittelt, acht bis zehn aber bleiben meist in der Langzeittherapie.

Von den zehn Plätzen der Tagesklinik innerhalb der Psychosomatischen Abteilung werden nach Angaben von Chefarzt Lettgen nach und nach zunächst sechs in diesem Jahr belegt. Die jungen Patienten werden sich dort von 7.30 bis 17 Uhr aufhalten, dann nach hause gehen und auch zuhause schlafen. Sie bekommen Einzel- und Gruppentherapie und werden von Lehrern unterrichtet, damit sie nicht so viel Lernstoff versäumen.

Im stationären Bereich der Psychosomatischen Abteilung gibt es zehn Betten, aber behandelt werden im Durchschnitt 13 bis 14 Kinder, was einer hundertdreißigprozentigen Bettenauslastung entspricht. Trotzdem können laut Lettgen nicht alle Notfälle behandelt werden.

Ein finanzielles Problem kommt in diesem Jahr auf die Kinderkliniken zu: Die Krankenkassen wollen 2011 nur noch eine neunundneunzigprozentige Auslastung bezahlen. „Wir brauchen aber mindestens dreizehn Betten, weil wir für Akutpatienten ansprechbar sein wollen „, stellt Lettgen klar. Er fordert zusätzliche drei Betten, die in den Krankenhausplan des Landes aufgenommen werden müssten. „Wenn wir 20 vollstationäre Plätze und 10 Plätze in der Tagesklinik hätten, wären wir für den südhessischen Bereich gut aufgestellt.” Lettgen übermittelte seinen Wunsch auch dem Hessischen Sozialminister Stefan Grüttner, der an der gestrigen Einweihung des Hauses teilgenommen hatte.

Darmstädter Echo vom 22. Januar 2011