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Bauchschmerzen können ein Alarmzeichen sein

SuizidpräventionDas Projekt »Anna« und seine Entstehungsgeschichte - Ohne Sponsoren gäbe es das Angebot nicht

Impulsgeber für das vor sechs Jahren gegründete Projekt „Anna“ (Alles, nur nicht aufgeben) ist Bernhard Lettgen, Chefarzt der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Foto: Roman GrösserImpulsgeber für das vor sechs Jahren gegründete Projekt „Anna“ (Alles, nur nicht aufgeben) ist Bernhard Lettgen, Chefarzt der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Foto: Roman Grösser
Chefarzt Bernhard Lettgen, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, leitet die Kinderkliniken Prinzessin Margaret in Darmstadt. Er hat das in der Bundesrepublik einmalige Suizidpräventions-Projekt „Anna” zusammen mit dem früheren Leitenden Oberarzt Fakhri Khalik auf den Weg gebracht.

ECHO: Aus welchem Anlass wurde das Projekt „Anna” (Alles nur nicht aufgeben) vor sechs Jahren gegründet?

Bernhard Lettgen: Lange Zeit konnten wir Kindern mit psychosomatischen Erkrankungen wie Bauch- oder Kopfschmerzen keine Therapie anbieten. Sie kamen Wochen später mit den gleichen Symptomen wieder ins Krankenhaus zurück. Mit Hilfe der Claudia-Ebert-Stiftung war es möglich, Ende 2001 eine halbe Stelle für eine Psychologin zu finanzieren. Aber das reichte bei weitem nicht aus. Wir brauchten eine psychosomatische Abteilung. Deren Leitender Oberarzt Fakhri Khalik hat das Projekt „Anna „ schließlich im Mai 2004 auf den Weg gebracht.

ECHO: Woran leiden diese Kinder?

Lettgen: Bei manchen stellt sich heraus, dass sie körperlich misshandelt oder sexuell missbraucht worden waren und eine Tendenz zu Depression und Suizid haben. Wir erreichen sie relativ spät, müssten uns aber schon im Vorfeld dringend um sie kümmern. Das ist die zweite Aufgabe von „Anna” - wir müssen raus aus der Klinik und rein in Schule und Jugendgruppen. Wir wollen eine Ansprechstation bieten, an die sich Patienten wenden können, aber auch Freunde, Freundin, Lehrer und Eltern, wenn etwas nicht in Ordnung ist.

ECHO: Wie wird „Anna” finanziert? Beteiligen sich die Krankenkassen daran, gibt es staatliche Präventionsprogramme?

Lettgen: Nein. Das ist ein freiwilliges Angebot über den Versorgungsauftrag, den die Kostenträger sicherzustellen haben, hinaus. Wir sind auf Spenden angewiesen. Bei der Anschubfinanzierung halfen die Claudia-Ebert-Stiftung und die Deutsche-Bank-Stiftung, im weiteren Verlauf die Serviceclubs, also Soroptimisten, Rotary Club und Lions-Club sowie die Zimmerstiftung.

ECHO: Warum sollten die ECHO-Leser „Anna” unbedingt finanziell unterstützen?

Lettgen: Kinder und Jugendliche haben ihr Leben noch vor sich. Für eine Situation, die einem jungen Menschen aussichtslos erscheint, gibt es oft vernünftige Lösungsmöglichkeiten, und er hätte noch ein langes, ausgefülltes, gesundes Leben vor sich. In den meisten Fällen kann man intervenieren und hat sehr hohe Erfolgsraten.

Darmstädter Echo vom 06. November 2010