Kontakt

Das kostenfreie Krisentelefon ist montags bis freitags von 15 Uhr bis 16 Uhr unter der Telefonnummer (08 00) 6 68 81 00 geschaltet. Zu den übrigen Zeiten kann die Telefonseelsorge kontaktiert werden: (08 00) 1 11 01 11. Offene Sprechstunden gibt es montags, dienstags und mittwochs von 16 bis 17 Uhr in der Dieburger Straße 10-12. Terminvereinbarungen werden montags bis freitags von 11 bis 16 Uhr unter (0 61 51) 9 67 07 14 angenommen. Sprechstunden sind donnerstags und freitags von 16 bis 17 Uhr.

Pressebeauftragter

Manfred Fleck
Telefon: (0 61 51) 4 02-14 00
Email: manfred.fleck@alice-hospital.de

Presse

Das „Projekt Anna”: Mitgefühl und klare Regeln

Projekt AnnaPsychologen und Kinderärzte helfen jungen Menschen aus Krisen

Das Anna-Team: Psychologin Barbara Gansera, Oberarzt Norbert Kohl und Psychotherapeutin Mercedes Pavlicek (von links) kümmern sich um Jugendliche, die sich in Krisen befinden. Foto: Claus VölkerDas Anna-Team: Psychologin Barbara Gansera, Oberarzt Norbert Kohl und Psychotherapeutin Mercedes Pavlicek (von links) kümmern sich um Jugendliche, die sich in Krisen befinden. Foto: Claus Völker
Vom Vater missbraucht, von der Mutter vernachlässigt: der Selbstmord schien für Lisa (19) der letzte Ausweg zu sein. Ihre Tante hatte die damals Fünfzehnjährige gerade noch von dem Versuch abbringen können, sich das Leben zu nehmen. Heute, nach drei Jahren Therapie bei Psychologin Barbara Gansera, vielen Rückschlägen und nervenaufreibenden Sitzungen, hat Lisa einen Schulabschluss in der Tasche und einen Lebenspartner an ihrer Seite.

Kindern und Jugendlichen wie Lisa hilft das Projekt Anna („Alles - nur nicht aufgeben”). Es ist angesiedelt in der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie der Darmstädter Kinderkliniken Prinzessin Margaret. Seit 2004 unterstützen Psychologen, Therapeuten und Kinderärzte junge Menschen in Krisen: Das können schulische und familiäre Notlagen, Liebeskummer oder auch Angststörungen sein. Neben Oberarzt Norbert Kohl und Psychologin Gansera hat Psychotherapeutin Mercedes Pavlicek in der Geschäftsstelle in der Dieburger Straße ein offenes Ohr für die Probleme der Heranwachsenden. Zehn Kinder und Jugendliche werden von ihnen derzeit intensiv betreut, vierzig waren es im vergangenen Jahr.
Lisas Schicksal darf als beispielhaft gelten. „Gerade die ersten Lebensjahre sind wie der Keller eines Hauses”, sagt Norbert Kohl. In der Pubertät, laut dem Oberarzt eine besonders sensible Phase, stürzen Jugendliche häufig in eine Krise, sagt Kohl: „Vierzig bis sechzig Prozent der Jugendlichen haben Selbstmord-Fantasien.” In den wenigsten Fällen sei dies allerdings bedenklich.

Anna möchte Anlaufstelle für jene Heranwachsende sein, die abzudriften drohen. „Viele Jugendliche suchen Hilfe, sie wissen nur nicht, an wen sie sich wenden sollen”, sagt Barbara Gansera.

Gut jeder zweite Patient nimmt von sich aus Kontakt zum Anna-Team auf. Aber auch besorgte Eltern, Freunde oder Schulsozialarbeiter wenden sich an die Hilfe-Hotline des Projekts. „Ziel ist es generell, die Kinder und Jugendlichen in unsere Sprechstunde zu bekommen”, sagt Norbert Kohl. Man versuche, über Freunde oder Eltern etwas zu erreichen. Manchmal kann das Anna-Team ganz schnell helfen. „Oft sehen die Probleme größer aus, als sie sind”, sagt Mercedes Pavlicek, etwa wenn es um Liebeskummer geht. Sprechen die Anrufer von Selbstmord, sei ein kontinuierlicher Kontakt und der Besuch in der Sprechstunde wichtig, der auf Wunsch zunächst anonym ist.

„Mitschwingen, zugleich aber Distanz bewahren”, ist für Norbert Kohl eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie. Mitgefühl, aber auch klare Regeln erwarten deswegen die Heranwachsenden. So gibt es Absprachen, an die sich die Jugendlichen halten müssen. „Wenn es unerträglich wird, anrufen”, definiert Mercedes Pavlicek eine solche Absprache. Manchmal hilft ein Suizidvertrag, in dem sich die Jugendlichen verpflichten, anzurufen, bevor sie sich etwas antun.

Da Anna aber nicht in allen Fällen helfen kann, etwa bei Psychosen und Schizophrenie, wurde ein breites Netzwerk gespannt. Zu anderen Therapeuten, zur Telefonseelsorge oder zur Kinder- und Jugendpsychiatrie in Riedstadt. Verstärkt werden soll die Präventivarbeit, Lehrer und Schüler sollen mit angesprochen werden. „Allerdings laufen wir derzeit am Limit”, sagt Norbert Kohl. Stiftungen und Spenden gewährleisten die halbe Stelle von Barbara Gansera, eine weitere halbe Stelle wird angestrebt. Für die dauerhafte Finanzierung dieser wichtigen Arbeit reicht das jedoch nicht aus: Die Spenden unserer Leserinnen und Leser sollen gewährleisten, dass das Anna-Projekt nicht aufgeben muss.

Darmstädter Echo vom 25. August 2010